Sexuell ausgehungert?

Mai 14, 2009

Liebe Leser,

es ist glaube ich an der Zeit, ein Geheimnis mit euch zu teilen. Meine Einstellung zu dem ganzen Blog-Thema hat sich in den letzten Wochen ein wenig geändert. Natürlich geht es mir in erster Linie immer noch darum, Texte zu schreiben und zumindest der Illusion aufzusitzen, ich hätte etwas veröffentlicht. Aber jetzt, wo unterbelichtet und ueberbelichtet schon eine Weile laufen und die ersten Leser ihre vorsichtigen Kommentare zu meinen Geschichten abgeben, muss ich gestehen, dass mir die sich stetig vergrößernde Mini-Community immer mehr ans Herz wächst. Sie heucheln Interesse, lachen über den ein oder anderen Witz, manchmal habe ich sogar das Gefühl, sie verstehen, was ich ihnen sagen will. Kurz: Ich liebe sie.

Also habe ich beschlossen, mehr auf ihre bzw eure Bedürfnisse einzugehen. Ich will mein Ohr am Konsumenten haben, rausfinden, was er will, was seine Träume sind. Das sind alles Gedanken, die mich schon länger beschäftigten. Nun ist etwas passiert, was mich darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Vorgestern, am 12. Mai, habe ich die Pilotfolge von „Die Porno-Telenovela“, kurz: „DPTN“, veröffentlicht. Aus einer Laune raus kam mir die Idee, wie interessant es doch wäre, eine Serie in der so schmutzigen Welt der Erotikindustrie anzusiedeln und auch mal den Menschen hinter den sexbesessenen Darstellern ins Rampenlicht zu zerren und nicht nur deren Geschlechtsteile. Ein Konzept, das sehr gut angenommen wurde, wie sich am nächsten Tag herausstellte.

Am 13. Mai nämlich schnellte die Besucherzahl von ueberbelichtet um knapp das achtfache nach oben und dort hält sie sich jetzt schon den zweiten Tag in Folge. „DPTN: Das entzückende Honigpferdchen“ schlug den bisherigen Rekordhalter „Der Vorhautzwerg“ im Rennen um den Top-Beitrag in nur 24 Stunden um das Doppelte. Und das obwohl der Zwerg schon seit drei Wochen online ist. Gut, eine handvoll der neuen Besucher stieß über ominöse Suchwörter wie „notgeile frauen in hamburg gesucht“ und „leidenschaft hört nie auf“ zu unserer illustren Runde, aber diese verirrten Seelen alleine erklären nicht einen Anstieg um knapp 800 Prozent. (Die absoluten Zahlen, von denen wir hier reden, sind realtiv gering, aber es geht ja um’s Prinzip.)

Der Grund muss auch bei euch, liebe Leser, zu finden sein. Heißt das jetzt, dass ihr sexuell ausgehungert seid und es euch nach mehr Geschichten dieser Art gelüstet? Wollt ihr mehr lesen von dem Spagat, der sich zwischen prickelnder Erotik und menschlichen Abgründen auftut? Man sagt ja, in jedem steckt ein kleiner Voyeur. Auch hier werde ich eurem Ruf folgen. Wer aber nur noch schmutzige Geschichten à la „Schlüpfer, Sex und Stöckelschuhe“ erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Schließlich wollen wir uns einen gewissen Restanspruch bewahren und außerdem könnten ja Minderjährige und (zumindest in diesem Fall) schlimmer noch, meine Eltern mitlesen.

Herzlichst

Der Autor

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4 Antworten to “Sexuell ausgehungert?”

  1. Andreas Says:

    Ich schmeiß mich mal wieder vor Lachen weg… Wie geil… Vor allem der letze Satz

  2. JUICEDaniel Says:

    Ähhh… nein? Ich fand schon den Hype um Feuchtgebiete total daneben. Und jetzt die 100 Nachahmer (siehe Bestsellerlisten und Buchhandlungen) – widerlich! Mein Tipp: Finde deine eigene Linie und richtige dich nicht nach den Menschen da draußen aus. Dieses Thema ist zwar immer beliebt, aber momentan (noch) zusätzlich modern/im Trend.

    Anspruchsvoller und schwieriger ist es, ohne das suchmaschinenfreundliche Wort Sex Erfolg zu haben. (Falls du auf Herausforderungen stehst 😉 )

    Der Kunde ist König und auf die Bedürfnisse der Besucher eingehen ist tatsächlich gut und wichtig, aber inhaltlich sollte man doch lieber mit Überzeugung das schreiben, das das eigene Herz begehrt – denn das kommt bei den Lesern auch besser an. (Man merkt das intuitiv)

    Daher denke ich: Qualität setzt sich langfristig immer durch, deswegen habe ich bei dir so oder so keinerlei Bedenken. Mach weiter so. Aber (noch so niveauvolle) Sex-Geschichten? Schon Comedians beginnen stets, sich dieser Gattung zu bedienen, wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind.

    Nur meine Meinung. 🙂

  3. unterbelichtet Says:

    Okay, ich glaube, hier hast du etwas missverstanden. Ich stimme dir bezüglich dieses Sex-Trends vollkommen zu. Ich habe zwei Seiten von den „Feuchtgebieten“ gelesen und musste die Buchhandlung verlassen, weil es mir „angesichts“ von Hämorriden und sonstigen Analitäten so speiübel wurde, dass ich draußen erstmal in die Buchauslage gereiert habe.

    Ich wollte mit meiner Pornotelenovela auch auf keinem Trend mitreiten. Ehrlich gesagt hatte ich mir auch absolut null nähere Gedanken darüber gemacht. Ich wollte einfach nur eine Geschichte darüber schreiben, weil ich denke, dass es auf dem Gebiet so viele Klischees gibt, mit denen man so vorzüglich spielen kann. Das „Pornouniversum“ kann man doch gar nicht ernst nehmen. Aber gerade deshalb bietet es Platz für jede Menge skurrile Personen, Begebenheiten, Geschichten…

    Der Text „Sexuell ausgehungert?“ ist PURE IRONIE! Und er war auch von Anfang an so gedacht. Ich habe bemerkt, wie plötzlich die Besucherzahlen nach oben gingen und ich sah das Klischee (sex sells) einfach bestätigt. Das fand ich so lustig (dass es so einfach war, die Stats nach oben zu „treiben“) dass ich einen Kommentar dazu schreiben MUSSTE. Und Ironie (Übersspitzung) ist doch dafür das beste Instrument, oder nicht?

    Ich werde weiterhin nur das schreiben, worauf ich Lust habe und mich nicht nach irgendwelchen Statistiken richten. Dazu gehören Fortsetzungen zu dem einen Abend im März, zu dem lila Rächer und halt auch zu der Pornotelenovela. Einfach weil ich Spaß an den unterschiedlichen Gefühlen/Gedanken/Verhaltensweisen von unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Situationen habe. Und nur darum.

  4. JUICEDaniel Says:

    Nein, hab ich auch nicht missverstanden. Wollte ich nur sicherstellen. 😉

    Kann dir jedenfalls nur voll und ganz zustimmen, bis auf „Das “Pornouniversum” kann man doch gar nicht ernst nehmen.“ -> Das stimmt leider nicht. Etwa 50% aller Webseiten im Internet sind Pornoseiten, das finde ich erschreckend. Von daher muss man dieses „Universum“ leider doch sehr ernst nehmen. Wobei das jetzt ein anderes Thema wäre und auch nichts mit deinen Kurzgeschichten zu tun hat. 😉


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