Ja ja, der neue Star Trek Film

Mai 10, 2009

Erwähnte ich bereits, dass ich für mein Leben gerne ins Kino gehe? Gestern habe ich es schon wieder getan. Bewaffnet mit Mundschutz und Desinfektionsspray (gegen die alles vernichtende Schweinegrippe) war ich in der Mitternachtsvorstellung von Star Trek und ich muss ganz klar sagen: Ja, äh, so mittel.

Der Mensch lernt ja immer dazu, so auch ich manchmal, und deshalb habe ich es mir in den letzten Jahren abgewöhnt, mit Erwartungen – welcher Art auch immer – ins Kino zu gehen. Vielen Filmen, die im Vorfeld maßlos gehyped wurden (Indiana Jones 4, Star Wars Episode 1-3, usw), ging dann auf der Leinwand die Luft aus und die Enttäuschung war groß.
Eine Gefahr, die auch für den Star Trek Reboot bestand, und alles andere als klein war. Die Erwartungen, die die Marketingkampagne in den vergangenen Monaten geschürt hatte, waren enorm, die mögliche Fallhöhe lag ungefähr bei 973 345 223 Kilometern. Wenn nicht noch höher. Und weil ich eben doch nicht immer vernünftig bin, konnte auch ich mir die Vorfreude auf Kirk, Spock und Konsorten nicht verkneifen. Wenn sogar die Süddeutsche Zeitung begeistert ist, kann der Film ja eigentlich gar kein Flop werden. Oder doch?

Die kurze Zusammenfassung der Geschichte gibt es hier. Dem Autoren von Film Freunde hat der Streifen nicht unbedingt gefallen. Die Review hätte einen Hauch weniger Zynismus vertragen können, aber teilweise muss ich ihm einfach zustimmen. Die Story ist grauenhaft. Manchmal scheint es, als ob der Drehbuchautor einen Workshop für Kreatives Schreiben an der Volkshochschule besucht hat, und einfach mal eine Stunde lang ungefiltert das auf Papier bannte, was ihm in den Sinn kam. Leider schien er dabei betrunken gewesen zu sein. Die Storyline ist stellenweise unglaublich wirr, unlogisch und an den Haaren herbei gezogen, dass es schon fast weh tut. Aber das war in den vorangegangenen Episoden auch nicht anders. Gibt es auf der ganzen Welt keine Star Trek Drehbuchautoren, die mal einen vernünftigen Roten Faden spinnen können? In einem Science-Fiction-Film erwartet man ja ein gewisses Maß an Übertreibung und unwahrscheinlichen Verläufen, aber so ein hanebüchener Unfug, wie in dem neuen Star Trek, passiert einfach nicht!!! Wer sich mal den Spaß machen will, liest sich auf Wikipedia die Geschichten der letzten Star Trek Filme durch. Da bekommt man das Kotzen.

Auf der anderen Seite hat der Film so viele verdammt gute Ansätze. Die neue Crew bringt nach all den Jahren und (sorry)all den alten Säcken endlich mal wieder frischen Wind in das Star Trek Universum und die neuen Schauspieler machen ihre Sache echt gut. Die Optik erinnert an die alten Filme und die Ur-Serie, wirkt aber dennoch modern, die Action ist solide, die Weltraumszenen sind okay und vor allem: Ich liebe die ganzen Andeutungen und Verweise auf die Zukunft. Sympathisch ist auch die Tatsache, dass sich der Film nicht so ganz ernst nimmt. „Scotty“ und „Pille“ feuern einen lustigen Spruch nach dem anderen ab, Kirk und Spock spielen sich langsam als Duo ein und Regisseur J. J. Abrams hat weitgehend auf übertriebenen Pathos verzichtet. Kurz: Der Charme der alten Serie ist wieder da.

Der Film wirkt, als ob zwei verschiedene Gruppen daran gebastelt hätten, die sich aber nie begegnet sind, sich nicht kannten und auch nicht die selbe Sprache sprechen. Die eine Gruppe (die bessere) hat ein tolles Gerüst gebaut, die Crew gecasted, die Optik konzipiert und eine Vision gehabt. Die andere Gruppe (die schlechtere, blinde) hat sich die Story ausgedacht und in das Gerüst eingefügt (oder besser: reingeprügelt).
Der Film hätte richtig gut werden können. So hat er leider nur das Prädikat „Popcornkino“ verdient. Wenn auch sehr unterhaltsames Popcornkino. Ich bin auf den nächsten Star Trek gespannt. Der eingeschlagene Weg ist nämlich der richtige.

P.S.: Popcornessen ist mit Mundschutz ganz schön schwierig und macht eine große Sauerei.

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2 Antworten to “Ja ja, der neue Star Trek Film”

  1. Andreas Says:

    Wunderbar sind deine kleinen Sprüchenebenher, ob es darum geht, das creativ writers drunk waren oder die Mundschutz sache. Mit Star Trek kann ich sonst noch nicht so viel Anfangen, vermutlich auch zuviel Stoff um noch rein zu finden. Bin der Stargate-mensch, und irgendwann werd ich mich noch in Battlestar Galacticca verbweißen, aber das wars wohl

  2. unterbelichtet Says:

    Ich bin auch kein Trekki, bei weitem nicht. Aber ich bin ein Junge und kann mich einfach riesig für Sciende-Fiction-Filme und so ein Zeug begeistern. Dir sei versichert, dass du absolut kein Vorwissen brauchst, um den neuen Star Trek zu verstehen. Wie gesagt, die Geschichte versteht eh keiner und die Leute werden ja nach und nach vorgestellt. Schau ihn dir also gefälligst an;)


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